Das Leben im „Hier und Jetzt“ – ein Schatz im Kleinkindalter
Liebe Eltern,
wir möchten Sie heute wieder einmal in unsere pädagogische Arbeit mit den Kindern hineinnehmen und Ihnen zeigen, welche Schätze wir gemeinsam mit unseren Krippenkindern erleben dürfen.
Ein gemeinsamer Ausflug in die Natur bedeutet für Kinder im Krippenalter weit mehr als nur die körperliche Bewegung an der frischen Luft. Gerade in den ersten Lebensjahren besitzen diese einen ganz besonderen Bezug zur Natur. Kleinkinder begegnen ihrer Umwelt mit Offenheit, kindlicher Neugier und einem staunenden Blick für die kleinsten Dinge. Während Erwachsene leider an vielen Eindrücken vorbeigehen, nehmen Kinder feinste Veränderungen und Details mit großer Aufmerksamkeit wahr. Ein kleines Blatt am Wegesrand, das Krabbeln einer Ameise oder das Spiel von Licht und Schatten, werden zu bedeutsamen Erlebnissen im Alltag.
An diesem Tag, von dem wir ihnen heute berichten wollen, durften wir die Natur mit allen Sinnen erfahren. Zu Beginn unseres Ausfluges spürten wir die warmen Sonnenstrahlen auf unserer Haut. Die Kinder hielten kurz inne, streckten ihre Gesichter der Sonne entgegen und genossen ganz bewusst die angenehme Wärme. Später, im schattigen Wald, nahmen wir den kühlen Wind wahr, der sanft durch die Bäume strich. Diese Augenblicke bewusst zu erleben, unterstützt Kinder dabei, ihren eigenen Körper und verschiedene Sinneseindrücke wahrzunehmen und einzuordnen.
Besonders wichtig ist uns dabei, den Kindern genügend Zeit zu schenken. Zeit, sich auf den Wegesrand zu setzen, anzukommen und die Natur bewusst wahrzunehmen. Gemeinsam lauschten wir den unterschiedlichsten Klängen des Waldes. Wir hörten das Rascheln der Blätter im Wind, das leise Plätschern der Röder, wenn das Wasser um die Steine floss oder das rhythmische Pochen eines Spechtes, der sich ein neues Loch in eine Birke schlug. Sogar das Quaken der Frösche, aus einem nahegelegenen Tümpel konnten wir wahrnehmen. In solchen Momenten entstehen eine innerliche Ruhe und Aufmerksamkeit – Fähigkeiten, die gerade in der frühen Kindheit von größter Bedeutung für die Entwicklung von Konzentration, Wahrnehmung und emotionaler Ausgeglichenheit sind.
Wann haben wir Erwachsene es uns das letzte Mal „erlaubt“, einmal bewusst eine Auszeit in der Natur zu nehmen? Kinder bis etwa vier Jahre leben noch sehr stark im Augenblick und besitzen nur ein geringes Zeitverständnis. Welch ein Glück! Denn genau dadurch gelingt es ihnen, Momente intensiv zu erleben und vollkommen in ihnen aufzugehen.
Aus unseren Naturbeobachtungen heraus entwickelte sich schließlich eine vom Kind ausgehende Aktion. Einige Kinder hatten das Bedürfnis, unterschiedliche Naturmaterialien sensorisch zu erforschen. Mit kleinen Blättern, Grashalmen, Erde, kleine Steine, Laub und sogar Tannennadeln streichelten sie vorsichtig über ihre freien Beine oder ließen die Materialien sanft darüber rieseln. Durch diese vielfältigen Sinneserfahrungen sammeln Kinder wichtige Erkenntnisse über ihre Umwelt und die Wahrnehmung ihres eigenen Körpers. Diese Erfahrungen fördern die taktile Wahrnehmung, die Körperwahrnehmung sowie die Entwicklung eines ganzheitlichen Naturverständnisses.
Später fand die Bewegungsentwicklung an diesem Tag noch ihren Raum. Da die Waldwege oft großzügige und freie Distanzen bieten, nutzten die Kinder die Möglichkeit um längere Wege zu rennen. Mit großer Freude und Stolz auf ihre bereits erlernten Fertigkeiten, beobachteten sie, welche Strecken sie bereits selbstständig zurücklegen konnten. Durch das Laufen auf unterschiedlichen Untergründen wurden Gleichgewicht, Koordination und Muskelkraft weiter gestärkt. Gleichzeitig erlebten die Kinder ein hohes Maß an Selbstwirksamkeit und gewannen Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten.
Naturerfahrungen sind gerade im Krippenalter von unschätzbarem Wert. Sie ermöglichen Kindern, mit allen Sinnen zu lernen, ihre Umwelt aktiv zu entdecken und wichtige Entwicklungsprozesse anzuregen. Die Natur schenkt ihnen Raum für Bewegung, Ruhe, Kreativität und intensive Wahrnehmung – und uns Erwachsenen die Erinnerung daran, wie wertvoll es ist, die kleinen Dinge wieder bewusst wahrzunehmen.
Wir bedanken uns ganz herzlich bei Ihnen für das Lesen unserer Erlebnistexte und verbleiben mit herzlichen Grüßen, Gabi und Tino 😊






































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