Die letzten warmen Sonnenstrahlen des Jahres haben wir bei unseren täglichen Spaziergängen noch einmal ganz bewusst genutzt. Gemeinsam mit unseren Krippenkindern machten wir uns auf den Weg, um die Natur zu entdecken und zu schauen, welche kleinen und großen Wunder sie für uns bereithält. Es dauerte nicht lang, bis wir zu einer weiten Wiese ankamen. Für Erwachsene oft „nur eine Wiese mit Blumen“, in Kinderaugen eine endlose Weite mit verschiedenen Gräsern in Groß und Klein, mit weißen und gelben Blumen, mit Bienen und Käfern. Es gab somit viel zu entdecken und gleichzeitig einfach „im Moment zu sein“. Wir konnten beobachten, dass sich einige Kinder inmitten des Grases setzten, andere hockten sich hin und wieder andere legten sich ganz entspannt auf den Rücken. Den Blick nach oben gerichtet, schauten sie in den weiten Himmel. Was sie dort wohl alles gesehen haben? Vielleicht die vorbeiziehenden Wolken in ihrem eigenen Tempo, einen Vogel oder auch Vogelschwarm oder vielleicht die warmen Sonnenstrahlen, die ihre Gesichter sanft berührte und kitzelte. Und was konnten sie hören? Das Rascheln der Gräser, wenn der sanfte Wind durch sie fuhr, das Zwitschern der Vögel oder vielleicht auch ganz vertraute Geräusche aus unserer Umgebung. Auch das Hören ist ein wichtiger Teil der Körper- und Sinneswahrnehmung. Die Kinder lernen, Geräusche bewusst wahrzunehmen, Bekanntes wiederzuerkennen und neues aufmerksam zu entdecken – selbst dann, wenn sie die Quelle eines Geräusches gerade nicht sehen können. Zudem findet ein Vergleichen, Kategorisieren und Einordnen deren statt. So sammeln die Kinder bereits in jungen Jahren die ersten wertvolle Erfahrungen mit ihrer umgebenen Umwelt und entwickeln nach und nach ein immer sichereres Gefühl für ihren eigenen Körper und ihre Sinne. Und das alles passiert in ihren ganz eigenen (Lern-)Tempo. In diesen Augenblicken in dem das Kind die Umgebung als anregend wahrnimmt gibt es kein Eilen oder kein Müssen mehr. Es wandelt sich um und daraus entsteht ein aus dem Kind herauskommendes innehalten, ein interessiertes beobachten, ein bewusstes fühlen und ein freudiges staunen. Eine wunderbare Entschleunigung, wie sie oft nur noch Kinder kennen: ganz im Moment sein und sich mit voller Aufmerksamkeit einer kleinen Entdeckung widmen und sich daran erfreuen.
Nahe der Wiese entdeckten wir einen Balken, der die Kinder sofort zum Balancieren einlud. Ein Kind aus der Gruppe wagte den ersten Schritt und machte es den anderen voran. Was für uns Erwachsene vielleicht nur wenige Zentimeter über dem Boden sind, kann für ein Krippenkind eine richtig große Herausforderung sein. Denn Balancieren erfordert Mut, braucht Konzentration, fordert Gleichgewicht und beinhaltet Vertrauen in das eigene Können. Jeder einzelne Schritt ist eine kleine persönliche Leistung und ein wunderschönes Erlebnis eines: „Schau her! Ich kann das!“. Gerade Momente wie diese sind wichtige Meilensteine für die kindliche Entwicklung und so wertvoll. Kinder lernen wenn sie frei ausprobieren können, ihren Körper selbst einschätzen, verschiedenste Bewegungen zu koordinieren um später Herausforderungen positiv gestimmt entgegen zu treten, sie anzunehmen und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten weiterzuentwickeln. Sie erfahren sich zunehmend in ihrer Selbstwirksamkeit und dürfen spüren, dass sie mit ihrem eigenen Tun etwas bewirken und schaffen können.
Für uns Erzieher/innen ist es immer wieder etwas ganz Besonderes, diese kleinen und großen Entwicklungsschritte begleiten zu dürfen. Zu sehen, wie aus einem vorsichtigen ersten Versuch, ein stolzer Blick und ein Lächeln heranwächst, berührt uns immer wieder aufs Neue.
Wir hoffen, dass wir ihnen wieder einen kleinen Einblick in unsere Arbeit und in unsere Naturerlebnisse mit den Krippenkindern geben konnten und bedanken uns für das lesen unserer langen Beträge.
Herzliche Grüße aus der Krippe von Tino und Gabi




























































